Wargames in Weitra

Am 24. April verlegten der Bataillonsstab und das Führungspersonal der Kompanien nach Weitra, um sich auf die Überprüfung im Gefechtsübungszentrum der Deutschen Bundeswehr in Altmark/Gardelegen im Mai vorzubereiten. Dazu wurde auch bereits das Führungspersonal der deutschen Kameraden (deutscher Anteil/ORF-Bataillon) sowie jenes der Kampfunterstützungselemente (Steilfeuer, Pionier) und Informationsverarbeitung (Auswertezelle) vom Aufklärungs- und Artilleriebataillon 7, Pionierbataillon 1 und der Heerestruppenschule eingegliedert. Die Woche diente vorwiegend dazu, das Zusammenwirken der einzelnen Zellen und die Planungstätigkeiten für einen Angriff im Rahmen einer internationalen Schutztruppe (in einem Auslandseinsatz) zu trainieren. Erstmalig konnte dabei auf den neu zugelaufenen Führungssimulator in Weitra zurückgegriffen werden.

Das Szenario:

Der Aggressor wurde durch eine asymmetrisch kämpfende Gruppierung (Independent Army of Altmark, kurz IAAM) dargestellt, deren Ziel es war durch Hinterhalte, Sprengstoffanschläge, Entführungen und Hinrichtungen die Lage im fiktiven Staat „Greenland“ zu destabilisieren und so eine Separation der Nordprovinz zu erzwingen. Unser Bataillon wurde beauftragt, die bereits zum Teil lokalisierten Kräfte dieser Gruppierung im Zuge eines Angriffes zu neutralisieren und dadurch die Voraussetzungen für die Wiederherstellung eines sicheren Umfeldes zu schaffen. Entscheidend neben dem Erzielen des Angriffserfolges war es in diesem Szenario, dass die im Raum befindliche Bevölkerung als auch Infrastruktur nicht zu Schaden kommt. Demonstrationen, Flüchtlingsbewegungen als auch die Behandlung von Kriegsgefangenen galt es bei der geplanten Einsatzführung zu berücksichtigen.

Übungszweck:

Die stabsdienstliche Behandlung der Aufgabenstellungen sowie die Anwendung des taktischen Planungsverfahrens unter Integration von bataillonsexternem Personal stellte den Übungszweck für diese Woche dar. Dabei kam auch der Visualisierungssatz Lagebild Bataillon (VSLB) praktisch im Rahmen der Übung zur Anwendung, welcher es ermöglicht, alle Zwischenergebnisse der einzelnen Beurteilungsschritte für eine größere Anzahl an einzuweisenden Personen übersichtlich darzustellen. Die Informationsgewinnung und Verarbeitung wurde durch die Einbindung von unbemannten Flugkörpern (Drohnen) bzw. einer Auswertezelle wesentlich verbessert. Das Einfließen von neuen Informationen in den Planungsprozess und auch in die Führung des laufenden Gefechtes in nahezu Echtzeit erlaubte ein flexibles Handeln und verkürzte die Reaktionszeiten. Die Aufbereitung der wesentlichen Ortschaften nach dem jeweilig aktuellen Stimmungsbild der Bevölkerung (und der dadurch ableitbaren Absicht gegenüber den eigenen Kräften) in Kombination mit der Aufklärung durch die Drohne verschaffte dem Bataillon ein hochaktuelles Lagebild. Im Zusammenwirken mit der Kampfunterstützungszentrale wurden dann erkannte Bedrohungen während des Anmarsches zum Angriffsziel mittels Kampfhubschrauber nach positiver Identifizierung punktgenau bekämpft. Dadurch konnte dem Anspruch einer weitgehenden Vermeidung von Verlusten bei der eigenen Truppe durch Informationsüberlegenheit entsprochen werden.

Das Hauptaugenmerk der Logistik wurde auf die Sanitätsversorgung gelegt, welche durch den Bataillonsarzt gesteuert wurde. Den vorne angreifenden Kompanien wurden gehärtete Fahrzeuge (Dingo in der Sanitätsversion) unterstellt, um entsprechend rasch und geschützt eine erste Versorgung einleiten zu können. Für akut lebensbedrohlich verletzte Soldaten stand ein Sanitätshubschrauber zur Verfügung, welcher auch für die schon vorgestaffelt eingesetzten Aufklärungskräfte oftmals das einzige Mittel zum zeitgerechten Abtransport darstellte. Dabei musste jede Luftbewegung mit dem Einsatz eigener Drohnen bzw. dem Steilfeuer koordiniert werden. Parallel zum laufenden Gefecht wurde seitens der übergeordneten Führungsebene auch eine Planungsaufgabe übermittelt. Dabei galt es, den Einsatz der eigenen Kräfte nach Neutralisieren der IAAM-Kräfte im Rahmen einer Stabilisierungsoperation zu planen. Diese beinhaltete die Vorbereitung einer Evakuierung, den Schutz von Grenzpolizeieinrichtungen, die Durchführung von Patrouillen bei Tag und Nacht zur Steigerung der Präsenz in jenen Räumen, in denen mit ethnischen Konflikten zu rechnen war und die Überwachung der Grenze zum Nachbarstaat gemeinsam mit der Grenzpolizei. Zusätzlich waren Kräfte für die Befriedung von Demonstrationen bereitzuhalten und in den einzelnen Ortschaften kritische Infrastruktur zu überwachen.

Die Präsentation der einzelnen Beurteilungsergebnisse im Stab und der Funkverkehr erfolgte ausschließlich in englischer Sprache, da das Bataillon in einem multinationalen Umfeld eingesetzt ist und dies einer der Überprüfungspunkte in Altmark sein würde.

Wesentlich war es während der gesamten Führungssimulationsübung, dass zivile als auch eigene Verluste weitgehend verhindert werden und auch keine Kollateralschäden durch den Angriff entstehen. Der Bataillonsstab musste dabei in der Planung Flexibilität beweisen und parallel die Erfordernisse für den Angriff und die Stabilisierungsoperation berücksichtigen. Entscheidend für eine erfolgreiche Bearbeitung aller gestellten Aufträge war die Verarbeitung der Informationsflut, die durch sehr umfangreiche Führungsgrundlagen (Befehle, Anhänge, Handlungsanweisungen), Lageinformationen und Lageentwicklungen entstand. Insgesamt war die Ausbildung am Führungssimulator ein weiterer Schritt zur Festigung der stabsdienstlichen Abläufe nach der Allentsteig-Verlegung im März auf dem Weg nach Deutschland.

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