COOPSEC 2017

Vom 04.09. bis 15.09.17 fand am Truppenübungsplatz Allentsteig eine internationale Übung/Ausbildung mit Themen statt, die unmittelbar mit der aktuell brisanten Sicherheitslage der Europäischen Union zusammenhängen. Im Wesentlichen wurden Szenarien geübt, die im Zuge der aktuellen Flüchtlings- bzw. Migrationslage derzeit für europäische Streitkräfte u. a. relevant sind, nämlich Grenzraumüberwachung und Grenzkontrollmanagement.

Dabei wurden nicht nur Fähigkeiten und Fertigkeiten dargestellt und geübt, sondern vor allem versucht, die internationale Zusammenarbeit der teilnehmenden Staaten auf taktischer Ebene zu verbessern. Die Zentraleuropäische Verteidigungskooperation (engl. Central European Defence Cooperation, kurz CEDC) ist eine seit 2010 bestehende Kooperation der mitteleuropäischen Staaten Österreich, Tschechische Republik, Slowakei, Ungarn, Slowenien und Kroatien. Mit Truppen nahmen neben Österreich die Tschechische Republik (Kompaniestärke) und Ungarn (Zugsstärke) an diesem Vorhaben teil, die restlichen Nationen waren zumindest mit Beobachtern dabei. Führende Verbände im Rahmen der Teilnehmer des Bundesheeres waren das Jägerbataillon 19 aus Güssing (verstärkt durch die 2.JgKp/JgB25), das Jägerbataillon 33 aus Zwölfaxing, das Stabsbataillon 3 aus Mautern, das PiB3 aus Melk und das Aufklärungsbataillon 3 aus Mistelbach. Weitere bei der Übung/Ausbildung involvierte Dienststellen waren u.a. Sprachmittler des Sprachinstituts der Landesverteidigungsakademie, ABC-Abwehr-Kräfte und eine Kompanie des Kommandos Militärstreife und Militärpolizei (MP). Durchführender Verband war das Kommando Schnelle Einsätze (KSE; vormals 3.PzGrenBrig) mit dem Kommando in Mautern. Insgesamt nahmen rund 2.200 Soldaten des Bundesheeres und 160 Soldaten aus Ungarn und der Tschechischen Republik teil.

Das Szenario umfasste im Wesentlichen die Darstellung einer EU-Außengrenze, die nach Auslösung eines Joint Action Plans der CEDC-Staaten (infolge eines Anstiegs von Flüchtlingsbewegungen aufgrund eines Konflikts außerhalb der EU) durch das betroffene Grenzland in einem multinationalem Verband von Kräften nach einer kurzen Formierungs- und Ausbildungs- bzw. Übungsphase geschützt werden soll. Als wesentliche Leistung sollten illegale Grenzübertritte verhindert und damit der Vollzug des internationalen Rechts sichergestellt werden.

In der ersten Übungswoche wurde die Übung „ACTIVE PROTECTOR 17“ ohne Beteiligung der 25er mit den Themen Kontrollpunkt, Verhalten bei Fund von unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen sowie Grenzmanagement durchgeführt.

Die 2.Kompanie unseres Bataillons bildete das Kernelement der zweiten Woche, die als Ausbildungsphase im Wesentlichen die Durchführung von Maßnahmen der Grenzraumüberwachung mit Darstellung des Kräfteeinsatzes im Rahmen der Sicherung eines fiktiven Abschnitts der EU-Außengrenze beinhaltete, wobei die Kräfte an einem Grenzübergang dargestellt wurden. Unsere 2.Kompanie wurde als führende Kompanie zur Abwicklung des Grenzkontrollmanagements am fiktiven Grenzübergang „WILDINGS“ eingesetzt. Das Thema Grenzraumüberwachung und Pionierunterstützung bei der infrastrukturellen Verstärkung von Infrastruktur im Bereich von Grenzübergängen bildete den zweiten Teil der gemeinsamen Ausbildung beim „Camp Mannshalm“.

Die Kompanie wurde in zwei Züge gegliedert (Der KU-Zg wurde aufgeteilt) und durch einen ungarischen Zug des 88.gemischt/leichten luftlandefähigen Infanteriebataillons aus Szolnok verstärkt, welcher als erster Zug direkt am Grenzübergang in direkter Zusammenarbeit mit der MP zur Kontrolle und Registrierung von Personen eingesetzt war, die diesen zu Fuß grundsätzlich zur Antragstellung auf Asyl überqueren wollten.

Der zweite Zug stellte die innere Ordnung im Bereich des Grenzkontrollmanagements (Unterstützung nach der Registrierung durch die MP, bei sanitätsdienstlicher und verpflegsmäßiger Versorgung sowie durch Organisation von Kontingenten für den Weitertransport) und die Unterstützung des Regelgrenzverkehrs sicher.

Der dritte Zug bildete die Eingreifkraft (engl. Quick Reaction Force, QRF)

Neben der Dislokation des ungarischen Zuges direkt am Grenzübergang bezog sich eine weitere Vorgabe der Übungsleitung auf die Adjustierung: Für das gesamte Ausbildungsvorhaben durfte die Crowd and Riot Control (CRC)-Ausrüstung nicht verwendet werden. Bei der Bewaffnung war mit Faustfeuerwaffen das Auslangen zu finden. Das Schwergewicht dieser Ausbildung sollte demnach die Anwendung von Grenzmanagementmaßnahmen im unteren Bereich der Bedrohungs- und Eskalationslevels bilden. Natürlich wurde im Verlauf der Ausbildung durch die Übungsleitung auch das Verhalten der Darsteller (Roleplayer) der hilfs- und schutzbedürftigen Fremden (hsF, dargestellt durch Kader und Grundwehrdienern in einer Gesamtstärke von rund 800 Personen) so gesteuert, dass der Einsatz von CRC-Ausrüstung zur Durchsetzung des Auftrages bzw. zur Sicherstellung des Truppenschutzes nicht zwingend notwendig war.

Höhepunkt des Ausbildungsvorhabens war schließlich eine Vorführung an beiden Ausbildungsorten mit klarem Schwergewicht beim Grenzübergang Wildings für die Beobachter der CEDC-Staaten unter der Leitung unseres Herrn Ministers sowie zahlreicher Vertreter der Medien und Presse am Freitag.

Fazit:

Für den Einsatz der Kräfte für das Grenzmanagement wurde das Szenario des sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatzes 2015/16 am Grenzübergang Spielfeld herangezogen, wo unser Bataillon genauso wie am Grenzübergang in Nickelsdorf bei der Abwicklung der Durchsuchung, Registrierung und Versorgung von hsF Erfahrung sammelte und die Abläufe auch wesentlich geprägt hatte. Das erworbene Know How unserer 2.Kompanie wurde also ganz bewusst auch in dieses Übungs- und Ausbildungsvorhaben miteinbezogen. Trotzdem war die Zusammenarbeit mit den ungarischen Kräften interessant, wenn auch eine multinationale Kooperation auf der Einheitsebene international eher unüblich ist.

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