Girls Camp 2017

Diese Frauen hatten Power!

Man nehme junge interessierte Frauen, engagierte Soldaten, eine Top-Location und jeweils einen Schuss Kameradschaft und Action. Drei Tage gut durchmischen die Zutaten interagieren lassen und am Ende bekommt man … ein Girls´ Camp?

Auf Initiative des Herrn Bundesministers für Landesverteidigung führt das Bundesheer mit Federführung beim Heerespersonalamt 2017 vier Girls´ Camps durch. Uns Klagenfurter Fallschirmjägern war der Sommertermin vom 7.-9.Juli zugeteilt. Insgesamt 47 Frauen traten den „Dienst mit der Waffe“ pünktlich am Freitag um 1300 Uhr an.

Vorweg muss man eines zugeben, obwohl wir mittlerweile Frauen beim Jägerbataillon 25 gewohnt sind, sie integriert sind und ihre Aufgaben gut meistern, ein bisschen Unsicherheit gibt’s da schon wenn auf einmal 47 Frauen dastehen, sich etwas erwarten. Planen können wir ja, eine aus unserer Sicht interessante (und vor allem einsatzorientierte) Ausbildung gestalten, aber was wird da auf der gegenüberliegenden Seite ankommen? Wird es zu hart oder etwa zu langweilig? Schaffen wir es unsere Sprache anzupassen und eine realistisches Bild vom Soldatenberuf, im speziellen vom Infanteristen zu zeichnen? Von „zart bis hart“ gingen die Diskussionen während der Konzepterstellung im Planungsteam der 2.Jägerkompanie und dem Bataillonskommando. Was kann alles passieren, immerhin ist das Medieninteresse groß und man will den Geschmack der Besucherinnen treffen.

Naja, einfach mal ein Menü kreieren, vom Aperitif, der Vorspeise am Freitag, dem Hauptgang am Samstag und der Nachspeise am Sonntag. Aperitif? Eine kurze Einweisung in den Ablauf und der notwendigen Einkleidung der Damen und schon ging´s zur Waffenschau. Alle Elemente und Spezialisten der Luftlandejäger präsentierten ihren Bereich, eine Grundausbildung im Exerzierdienst und Waffen- und Schießdienst muss als Vorbereitung für den Folgetag dabei sein. Jaja, Exerzierdienst war eine der zentralen Forderungen aus dem Vorjahr, genauso wie Zeitdruck und körperliche Belastung! Als Vorspeise servierte die 2.Kompanie nach der Verlegung und dem Aufbau des Zeltlagers auf dem Truppenübungsplatz Marwiesen eine Schießvorführung der Waffen (bis hin zum überschweren Maschinengewehr und Panzerabwehrrohr), einzeln und im Rahmen eines Gruppengefechtsschießens/Nacht. Garniert wurde der Tag mit der abschließenden Nachtlehrvorführung bis ca. 2300 Uhr, sodass sowohl Soldat als auch Frau sich müde aber erwartungsvoll zur verdienten Nachtruhe begaben.

Samstag, 0600 Uhr: TAAAAAAAGWACHE, quasi die Einleitung zum Hauptgang. Zur Anregung des Kreislaufes gleich der Morgensport, sodass das anschließende Frühstück umso mehr schmeckt. Danach Ausbildung bei vier Stationen. Auftrag an alle Durchführenden war, den Damen etwas fürs Leben mit zu geben, was gelehrt wird muss persönlich verwertbar sein:

Erstens gesicherter motorisierter Marsch, Teamwork als Schlagwort. die Soldaten und die Frauen hatten gemeinsam einfache Gefechtssituationen in der Gruppe zu meistern. wo bin ich, wo ist mein Nachbar, wo vor allem der Feind, wie können wir ihn überwältigen. Nicht lang gefackelt, „rein in den Sterz“.

Zweitens Mutprobe, Überwinden der eigenen Angst. Eine kleine Kletterei und dann 40 Meter über Grund hängend den Flying Fox wieder hinunter. Überrascht waren wir von der Lässigkeit mit der fast alle diese Herausforderung gemeistert haben.

Drittens Gefechtsparcours Pistole und Sturmgewehr, schnelle Entscheidungen unter Belastung und Zeitdruck. Der Parcours bestand aus Hindernissen und Scheiben, welche gefährliche-, aber auch harmlose Gegenüber zeigten. Die Zeit wurde gemessen und Schüsse auf die falschen (weil unbewaffneten) Scheiben mit Strafzeiten belegt. Man konnte die Entwicklung jeder Teilnehmerin entlang des Parcours mitverfolgen. „Liebevolles“ Detail am Rande war das zehn Meter Matsch-Hindernis, das teilweise sogar die Haare bis zur Hälfte verkrustete.

Als viertes ein Blick hinters Schild, Crowd-and-Riot-Control, Ordnungseinsatz. Nach dieser Station war allen Frauen klar, dass so manches Video das man im Internet findet, nicht die Wahrheit solcher Ordnungseinsätze zeigt. Kurze Ausbildung in den Grundtechniken, dann gleich die Kampfbahn. Gegner waren die Soldaten, die sich so manches einfallen ließen für ihre weiblichen Gegenüber hinter den Schildern. Eine Kurzeinweisung über Pfeffersprays rundete diese Station ab.

Nach dem Hauptgang eine kurze Nachbereitung und dann wurde das gemacht, was auch zum Soldatenberuf gehört, eine kameradschaftliche Grillerei.

Die Nachspeise am Sonntag begann selbstverständlich mit Sport, danach wurden die Zelte abgebaut und die Marschbereitschaft hergestellt. In der Khevenhüllerkaserne bekamen die Teilnehmerinnen ihre verdiente Urkunde vom Heerespersonalamt. Das „Abrüsten“ ging schnell von statten und so entließen wir die Girls wieder in die „Freiheit“.

Resümierend stellen wir fest:

Das Interesse und Engagement der Teilnehmerinnen war hoch, am Freitag ist gleich am Anfang der Funken übergesprungen. Die Soldaten waren dadurch motiviert und es ergab sich dadurch ein tolles Miteinander. Die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen waren durchwegs positiv und damit dürfen wir getrost sagen: Es war sehr schön, es hat uns sehr gefreut, auf ein baldiges Wiedersehen.

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