Rundkappe 2017

“Fertig machen zum Sprung!”

So ertönt das Kommando des Sprungausbildners über dem Flugplatz in Wiener Neustadt. Alle Handgriffe sitzen, der Ablauf ist jedem bekannt, doch jetzt wird es ernst. Der erste Sprung steht bevor. In kürze werden 46 Soldaten das erste mal aus einem Flugzeug springen. Eine angespannte Euphorie liegt in der Luft, mit tosendem Dröhnen landet die Maschine und der erste Lift von 5 Mann reiht sich in den Laderaum der PC-6, der Sprung steht kurz bevor.

Eine Woche zuvor finden sich die Teilnehmer des Rundkappenkurses in der Flugfeldkaserne wieder. Dieser Kurs ist für jeden Kadersoldaten des Jägerbataillons 25 eine ganz besondere Herausforderung und ein wichtiger Schritt in unsere Spezialisierung als Luftlandeverband.

Mit einer Einführung in die Grundlagen des Fallschirmspringens wurden wir auf das Bevorstehende eingestimmt. Gleich zu Beginn wurde uns klar gemacht, dass sobald wir das Flugzeug verlassen, selbst für unser Handeln verantwortlich sind.

Wie unser Kommandant des öfteren betonte, ist Fallschirmspringen reine Statistik. Kein Kurs verläuft ohne Verletzungen oder unbeasichtigte Öffnungen des Reservefallschirms. Doch mit gewissenhafter Vorbereitung ließe sich dem entgegenwirken und so begann eine intensive Woche der Vorbereitung.

Schrittweise wurden wir an den Ablauf des Fallschirmspringens herangeführt. Im Stationsbetrieb durchliefen wir die einzelnen Trainingsvorrichtungen, um das Verhalten vor, während und nach dem Sprung zu beherrschen. Fallschirmspringen ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Eine Störung beim Schirm oder ein Fehler bei der Abgangshaltung können in der Luft schnell zum Problem werden.  Schmerzlich wurde das einem Kameraden bewusst, welcher beim Absprung aus der Maschine die Aufziehleine, die den Fallschirm aus dem Packsack zieht und durch eine Sollbruchstelle fix mit dem Luftfahrzeug verbunden ist, unter der Achsel statt über der Schulter hatte und sich so eine Verletzung zuzog.

Auch auf das unwahrscheinliche Auftreten einer Öffnungsstörung wurden wir gewissenhaft vorbereitet. Glücklicherweise musste allerdings niemand vom Reservefallschirm Gebrauch machen.

Die zweite Woche war der Höhepunkt des Kurses. Sechs Sprünge standen bevor und das Wetter war ideal. Der erste Sprung ist ein Gewöhnungssprung aus 400 Metern. Das ist relativ hoch, wenn man bedenkt, dass wir im Einsatz aus nur 150 Metern abgesetzt werden. Die Aufregung war enorm. Als ich mit meinen Kameraden, mit denen ich mich eine Woche auf diesen Moment vorbereitet hatte, als Erster das Flugzeug bestieg, blickte ich in eine Runde konzentrierter Gesichter. Der Motor heult auf, wir beschleunigen. Nervöse Blicke, ein vermschmitztes Lächeln. Wir heben ab. Die Aufregung ist jedem ins Gesicht geschrieben.

Die Tür geht auf, der Fahrtwind klatscht in den engen Laderaum. Dann das Kommando des Sprunglehrers: “In die Tür”. Auf “Sprung” verlässt der erste Springer das Flugzeug und wird von den Luftmassen erfasst. Der Reihe nach verschwindet ein Springer nach dem anderen, bis ich als letzter in der Tür sitze. Ein Klopfer auf die Schulter, Absprung und vier Sekunden später blicke ich in eine wunderschön aufgegangene Schirmkappe. Ein unbeschreibliches Gefühl!

Doch der kritischste Teil ist und bleibt die Landung. Mir, sowie den meisten anderen Kursteilnehmern, glückten sechs, manchmal mehr, manchmal weniger schöne Landerollen. Aufgrund von Verletzungen, die sie sich bei den ersten zwei Sprüngen zugezogen haben, konnten drei Kameraden den Kurs leider nicht beenden. Weder bei der Nachtlandung, der Außenlandung noch dem Sprung mit Waffe und Gepäck zog sich jemand gröbere Verletzungen zu. Dadurch konnten am 31.10 alle Teilnehmer, nach bestandener theoretischer sowie praktischer Prüfung, das Fallschirmspringerabzeichen in Bronze erhalten.

Voller Erwartung blicken wir auf 2018: Bei den kommenden Übungen in den Niederlanden werden wir das Gelernte in einer groß angelegten Fallschirmjäger Operation anwenden können.

Glück ab, Gut Land!

Wachtmeister

Laurenz Weselka

 

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